Der europäische Master holt auf - Teil 2
Das Arbeiten in internationalen Teams ist ein wichtiger Bestandteil von MBA-Programmen und bringt die Skills, die von MBA-Absolventen verlangt werden.

- Was die Zukunft wohl bringen mag? (Bild: Fotolia/Lassedesignen)
Der Lerneffekt ist durch das Arbeiten in internationalen Teams sozusagen vorprogrammiert. Das war auch bei Ralf Jödicke der Fall. Neben dem klassischen Unterricht nimmt die Teamarbeit einen erheblichen Teil des Unterrichts in Anspruch. „In einem Team zusammen mit einem Japaner und einem Südamerikaner weiß man, wie sehr sich die unterschiedlichen Arbeitsweisen unterscheiden“, berichtet Ralf Jödicke. „Das ist nicht immer konfliktfrei.“ Und fördert damit auch die so oft geforderten Soft Skills. Überhaupt sind das Üben von Soft Skills wie Leadership oder auch Verhandlungsführung ein beliebter Bestandteil vieler MBA-Programme und erklärtes Lernziel von drei Viertel aller europäischen MBA-Studenten, wie die Staufenbiel MBATrends-Studie 2010/11 ergab.
Immer mehr Juristen erkennen die Vorteile des MBA
Das gilt für Wirtschaftswissenschaftler genauso wie für Juristen, die mittlerweile auch die Vorteile des MBAs für sich entdeckt haben. Beispiel Hengeler Mueller. Die Sozietät mit deutschen Wurzeln bietet in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen seit Sommer vergangenen Jahres MBA-Seminare für ihre Anwälte an. Da geht es zum einen um die Vertiefung wirtschaftswissenschaftlichen Grundwissens, zum anderen aber auch um das Üben der Soft Skills. „Ein Team von ehrgeizigen Anwälten zu führen, kann schon eine besondere Herausforderung sein“, sagt Daniel Weiß, Partner bei Hengeler Mueller.
MBA-Studenten bringen meistens Wirtschafts- oder Ingenieur-Know-how mit
Die meisten europäischen MBA-Studenten haben aber nach wie vor einen wirtschaftswissenschaftlichen oder auch einen ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund – und gehen nach dem Abschluss wieder in die Ursprungsbranche zurück. Beliebteste Einstiegsbranche ist laut Staufenbiel MBATrends- Studie 2010/11 die Consultingbranche. 70 Prozent der Business Schools gaben an, dass ihre Absolventen nach ihrem Abschluss hier einsteigen. Die Banken dagegen haben Federn gelassen – ein wenig zumindest. Vor der Krise zählten vor allem in den USA, aber auch in Europa, die führenden Finanzinstitute zu den bevorzugten Arbeitgebern von MBA-Absolventen. Das Image der Banken glänzt zwar schon wieder, wenn auch noch längst nicht wieder so strahlend wie ihre Fassaden. Deshalb ist die Branche Banking und Financial Service nur die drittbeliebteste bei den MBA-Absolventen. Insofern ist Ralf Jödicke als junger Partner in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein typischer Vertreter der MBA-Studenten. Er hat die Gelegenheit genutzt, um sein wirtschaftswissenschaftliches Grundwissen auf eine breitere Basis zu stellen. „Ich war in meinem Wissen früher viel spezialisierter als heute“, so die Bilanz mit einem Abstand von drei Jahren.
Kontakte aus dem MBA-Studium pflegen
Und die Netzwerke, die er während seiner MBA-Ausbildung geknüpft hat, pflegt der Manager immer noch. „Da die Gruppe sehr überschaubar war, war auch die Zusammenarbeit sehr intensiv. Das kann man sich fast vorstellen wie zu Zeiten der Grundschule“, meint er. Beim internationalen Arbeiten profitiert er heute ständig von seinen MBA-Erfahrungen mit den ausländischen Kollegen. Und auch privat. Direkt nach dem Kurs ist er zu den Olympischen Spielen nach Peking geflogen. „Ich war eingeladen von einem chinesischen Kommilitonen.“
Datum: 9/10
Autor: Eva Flick
MBA & Master international
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