Interview mit Arnis Vilks: „Europa holt auf“
Arnis Vilks, 54, ist Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL). Im Interview spricht er über amerikanische Vorbilder und ein Europa, das aufholt.

- Für Arnis Vilks werden Themen wie Soft Skills immer wichtiger. (Bild: HHL)
Eine Fallstudie nach der anderen. Das hat zumindest früher das MBA-Studium ausgemacht. Hat sich hier etwas getan?
Das stimmt für den US-amerikanischen Markt. Die Ausbildung dort war vor allem durch Fallstudien geprägt und vielfach analyse- und kennzahlenlastig. Themen wie Führung, Motivation oder auch Persönlichkeitsentwicklung wurden tendenziell eher ausgeblendet. In Deutschland war das aber nie so ausgeprägt. Wir haben die Vermittlung der Soft Skills von Anfang an stärker in den Fokus gerückt als die Amerikaner.
Kam der Umschwung mit der wirtschaftlichen Krise vor zwei Jahren?
Die Krise hat diese Entwicklung sicherlich beschleunigt. Aber die Tendenz gab es schon länger. Die Manager des 21. Jahrhunderts müssen mit großen Herausforderungen umgehen können. Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel und auch die demografische Entwicklung sind heute aktuell. Um damit umgehen zu können, brauchen Führungskräfte mehr als das reine Fachwissen.
Was vor allem?
Die Soft Skills werden immer wichtiger, vor allem aber auch Corporate Responsibility, Integrität und Ethik. Wir haben an der HHL zum Beispiel schon 2004 einen Lehrstuhl für Wirtschaftsethik eingerichtet.
Die USA waren schon immer Vorreiter in Sachen MBA. Haben sie die Stellung nun eingebüßt?
Viele Trends schwappen vom amerikanischen Markt zu uns herüber, aber noch längst nicht alle und auch nicht in der gleichen Intensität. Als Mutterland des MBA haben die USA natürlich immer noch eine Vorreiterrolle. Allerdings muss man auch sagen, dass längst nicht alles zum Vorbild taugt, was aus den Staaten kommt. Nicht von ungefähr hatte die Wirtschaftskrise in Amerika ihren Ursprung.
Ist deswegen die MBA-Ausbildung in Europa beliebter geworden?
Sicherlich auch. Europa und andere Länder außerhalb der USA haben in den vergangenen Jahren stark aufgeholt. Früher war die MBA-Ausbildung eine rein amerikanische Angelegenheit. Vor allem was die Internationalität angeht, ist Europa aber vorne mit dabei. Zu sagen, dass die Programme in Amerika generell besser sind als bei uns, ist Schnee von gestern.
Worauf müssen Interessierte bei der Auswahl der Business School achten?
Der Markt ist riesig und weltweit entwickeln sich immer mehr Schulen und Programme. Mittlerweile gibt es ja auch schon in China ganz gute Angebote. Aber es sind natürlich längst nicht alle Ausbildungen qualitativ hochwertig. Ganz wichtig ist die Akkreditierung. Sie gibt noch immer am meisten Aufschluss über die Qualität eines Programms.
Haben die Teilzeitprogramme in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen?
Wir konnten das so nicht feststellen. Bei uns sind sowohl die Vollzeit- als auch die Teilzeitprogramme gewachsen. Wer einen MBA in Teilzeit neben seinem Job machen will, muss Herausforderungen bestehen, die ihn beruflich und privat ein gutes Stück voranbringen. Darauf bereiten wir die Teilnehmer aber auch vor. Und mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden.
Datum: 9/10
Interview: Eva Flick
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