„Gefragt ist der Helikopterblick“
Anette Tronnier ist Geschäftsführerin der Gisma Business School in Hannover. Im Interview spricht sie darüber, welche Sprungbretter es für MBA-Absolventen gibt und warum beim MBA der Blick aufs Ganze zählt.

- „Nicht alle MBA-Absolventen wissen genau, in welche Branche sie nach ihrem Abschluss gehen werden“, sagt Annette Tronnier. (Bild: GISMA)
Consulting ist laut aktuellen MBATrends immer noch die Einstiegsbranche für MBA-Absolventen schlechthin. Wie erklären Sie sich das?
Vor allem, weil das Studium so generalistisch ausgerichtet ist und es nicht viel Zeit für die Karriereplanung lässt, können viele MBA-Studenten nicht immer klar sagen, was sie machen wollen. Ihre Vorstellung von der späteren Tätigkeit muss sich erst noch festigen. Da bietet es sich an, erstmal ins Consulting zu gehen und verschiedene Projekte zu betreuen. Denn hier kann man sich über die geleistete Arbeit empfehlen. Es ist ein geniales Sprungbrett in die Wirtschaft und verschafft gleichzeitig die nötige Luft, seinen Weg zu finden. Entsprechende Unternehmenskontakte bekommt man außerdem sozusagen gratis mitgeliefert.
Das klingt auch ein bisschen nach Notlösung. Sind MBA-Absolventen gerade wegen ihres Studiums für bestimmte Einsatzbereiche und –branchen besonders geeignet?
Ganz im Gegenteil ist es keine Notlösung. Der MBA im klassischen Sinn ist eher nicht auf bestimmte Fachgebiete fokussiert. Er setzt zu 100 Prozent auf eine generalistische Ausbildung. Kombiniert mit dem Wissen aus dem Erststudium oder den Erfahrungen aus dem bisherigen Job entwickelt sich so eine gute Führungskraft. Der MBA-Abschluss macht etwa aus einem guten Logistiker eine gute Führungskraft im Bereich Logistik oder angrenzenden Bereichen. Gefragt ist der Helikopter-Blick. Denn auf MBAs warten meist Aufgaben, für die man einen Blick auf das Ganze und nicht in die Tiefe braucht. Nach dem MBA haben die Teilnehmer nicht 90 Prozent Tiefenwissen in einem Bereich, sondern rund 30 Prozent in allen Bereichen – und darauf kommt es in der Führungsetage an.
Welche Einstiegsbereiche sind außerdem beliebt?
Befragt man unsere Studenten, wird Marketing mindestens an erster oder zweiter Stelle genannt. Hier fühlen sich viele zu Hause. Im Projektmanagement ist – ähnlich wie im Consulting – alles nicht so festgefahren. Die Absolventen leiten und managen hier zum ersten Mal ihr eigenes Projekt. Von der Personalführung bis zu den Finanzen können sie die gesamte Bandbreite dessen anwenden, was sie im Studium gelernt haben.
Ingenieure sind ja aktuell sehr gefragt. Färbt das auch auf MBA-Absolventen ab?
Wir haben traditionell viele Studenten mit technischem und ingenieurwissenschaftlichem Hintergrund. Unser Career Service unterhält vor allem gute regionale Kontakte zu Global Playern wie VW oder Continental aber auch zu international agierenden Mittelständlern. Und die haben im Moment viele kreative Jobangebote für MBA-Absolventen.
Banking und Finance – für die MBA-Absolventen einst Einstiegsbranche Nr. 1 – hat dagegen deutlich abgebaut…
Das ist nicht verwunderlich. Das Image der Banken hat natürlich in der letzten Krise sehr gelitten. Nicht nur in Deutschland, speziell auch in den USA. Und es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis sich der Finanzsektor davon wieder erholt.
Datum: 09/11
Interview: Rebekka Baus
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