MBA-Reform: Ethik und Nachhaltigkeit erwünscht
Bei der Suche nach den Schuldigen für die Finanzkrise gerieten schnell die Manager ins Visier. MBA-Absolventen der renommierten Business Schools sollen mitverantwortlich für die Krise sein.

- MBA-Programme: Ganzheitlicher Bildungsansatz gefordert. (Bild: Ratluk / istock)
Kritiker werfen den MBA-Absolventen Inkompetenz und fehlendes Verantwortungsbewusstsein vor. Und schnell fiel das Augenmerk auch auf die Ausbildungsinhalte der kritisierten Schulen. Zwar wurde vor allem Business Schools in den USA vorgeworfen, an einem zu einseitigen Ausbildungskonzept festzuhalten, aber die Lehre deutscher Schulen stand ebenfalls auf dem Prüfstand.
Integration von Geisteswissenschaften
Die vermehrte Kritik an der MBA-Ausbildung und ihren Lehrinhalten veranlasste die Schulleiter zum Umdenken, um so den guten Ruf zu bewahren. Die Verantwortlichen schmiedeten Verbesserungspläne: Es sollen Ethikseminare und soziale Projekte stattfinden und Absolventen sollen vor Erhalt ihres Zeugnisses einen Manager-Eid ablegen.
Kritiker sehen diese Entwicklungen zwar gerne, sind aber von der vereinzelten Integration ethischer und sozialer Fächern noch nicht überzeugt. Sie bemängeln, dass der Schwerpunkt immer noch zu sehr auf ökonomischen Aspekten liegt. Ethische und moralische Gesichtspunkte werden nur am Rande behandelt. Die Experten plädieren für ein breiteres Angebot der Business Schools mit ganzheitlichem Bildungsansatz. Nicht nur Ökonomie soll auf dem Lehrplan stehen, die Schüler sollen ebenso selbstverständlich Inhalte geisteswissenschaftlicher Fächer wie Geschichte, Psychologie, Soziologie und Philosophie vermittelt bekommen.
Deutsche Business-Schools: Genügend Maßnahmen getroffen
Doch welche der ambitionierten Vorhaben fanden den Weg in die Ausbildungsinhalte? Einige deutsche Business Schools haben Ethikkurse in ihre Lehrpläne integriert. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar bei Koblenz hat sogar ein „Zentrum für verantwortungsvolle Unternehmensführung“ gegründet. Die Schule setzt sich zum Ziel, Theorie und Praxis des „responsible leadership“ miteinander zu verbinden. Die Lehre basiert auf den drei Pfeilern der Philosophie der Schule: dem Willen zu führen, der Fähigkeit zu führen und der Integrität zu führen. Das Kursangebot reicht von „Personal Growth“ über „Intercultural Awareness“ bis zu „Business Ethics“.
Viele deutsche Business Schools sehen jedoch keine Gründe zum Umdenken, da sie schon vor der Finanzkrise genügend Maßnahmen getroffen haben. Ein weiteres Argument ist, dass sich ethische Themen selbstverständlich in allen angebotenen Kursen wiederfinden. Sie sehen das Problem vorrangig bei den englischen und amerikanischen Business Schools als bei sich selbst. Weiter zur Tabelle: Gewünschte Veränderungen und Inhalte




