Interview: "Interdisziplinarität wird immer wichtiger"
Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, spricht
im Interview mit Staufenbiel über die Akzeptanz des Bologna-Systems und erklärt, wie neue Programme entstehen.

- Professor Dr. Margret Wintermantel ist seit März 2006 Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. (Bild: privat)
Mit der Master-Wahl kann ein Student ein ganz neues Fachgebiet betreten. Wird die Möglichkeit genutzt?
In der aktuellen HRK-Statistik vom Sommersemester 2009 finden sich vor allem konsekutive Master-Programme, also Studiengänge, die inhaltlich unmittelbar auf dem Bachelor aufbauen. Aber etwa ein Siebtel der Master erlauben schon heute einen Wechsel in eine andere Disziplin und ein weiteres Siebtel zielt auf Weiterbildung. Ich bin sicher: Durch die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt wird es mehr nicht-konsekutive und weiterbildende Master-Programme geben. Damit wird auch das Interesse der Studenten steigen, sich neue Fachgebiete zu erschließen.
Was versprechen sich Studenten von einem Master?
Bachelor-Absolventen haben grundsätzlich drei Erwartungen an den Master: Sie wollen sich beruflich spezialisieren, sich fachlich und fachübergreifend weiterqualifizieren oder den Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere legen.
Welcher Trend zeigt sich bei den Programmen?
Interdisziplinarität wird immer wichtiger. Ein Ingenieur etwa, der mehr über die rechtlichen Grundlagen der Wirtschaft wissen möchte, kann einen Master in Wirtschaftsrecht belegen. Das eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten im Unternehmen. Vor allem bereitet so ein Master-Programm auf Leitungsfunktionen vor, weil es fachübergreifende Qualifikationen vermittelt. Gerade in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften sehen wir eine Tendenz zu solchen Bachelor-Master-Kombinationen.
Wie entstehen diese Trends?
Die Studienprogramme entwickeln sich aus den Forschungsschwerpunkten der Hochschulen, dem gesellschaftlichen Bedarf und der Nachfrage des Arbeitsmarkts. Außerdem sind die sozialen Situationen und Interessen der Studenten unterschiedlich, und die Orientierung wird internationaler. Darum müssen die Hochschulen entsprechend flexible und passgenaue Angebote wie Teilzeit-, Fern- und Weiterbildungsstudienangebote oder englischsprachige Master-Programme entwickeln.
Für welche Berufe ist ein Master Pflicht?
Für Berufsfelder mit staatlicher Zulassung und um in den höheren Verwaltungsdienst zugelassen zu werden, braucht man den Master. Genauso für Stellen, die vertieftes wissenschaftliches Expertenwissen erfordern oder Führungsaufgaben verlangen. Außerdem ist der Master meist Voraussetzung für eine wissenschaftliche Laufbahn.
9/09
Interview: Claudia Feuerer
Master-Studiengänge
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